2006.11 - Osterinsel
 
 

2006 - November, Osterinsel in Chile

🗿 Rapa Nui: Mystik und Freiheit am Nabel der Welt

Während unsere „NatHape“ im sicheren Hafen von Raiatea eine wohlverdiente Pause einlegt, haben wir die Segel gegen Flügel getauscht und sind von Französisch-Polynesien direkt in eines der größten Rätsel der Menschheitsgeschichte geflogen. Wir landeten auf der Osterinsel, die von ihren Bewohnern liebevoll Rapa Nui genannt wird. Dass wir hier heute so sanft aufsetzen konnten, verdanken wir übrigens einem recht speziellen Umstand: Die Amerikaner bauten die Landepiste einst so großzügig aus, dass sie im Notfall sogar einem Space Shuttle Platz geboten hätte – für unseren Urlaubsflieger war das also fast schon eine majestätische Begrüßung. Den Namen „Osterinsel“ verdankt dieses entlegene Fleckchen Erde dem niederländischen Admiral Jacob Roggeveen, der hier am Ostersonntag 1722 vor Anker ging und damit den Stein buchstäblich ins Rollen brachte.

Das Herzstück der Insel sind natürlich die weltberühmten Moai. Diese monumentalen Steinfiguren wirken wie stumme Wächter einer längst vergangenen Zeit und blicken mit einer geheimnisvollen Erhabenheit über das Land. Viele dieser Giganten wurden inzwischen liebevoll restauriert und wieder auf ihren ursprünglichen Plätzen aufgestellt, sodass man ihnen fast an jeder Ecke der Insel begegnet. Um die rund 30 Kilometer lange und 10 Kilometer breite Schönheit in vollen Zügen zu genießen, haben wir uns für zwei Tage einen geländegängigen Wagen gemietet. Das erwies sich als goldrichtige Entscheidung, auch wenn eine gut ausgebaute Teerstraße quer über die Insel führt, die eine Erkundung angenehm unkompliziert macht.

Unser erster Tag war dem östlichen Teil der Insel gewidmet, und wir fühlten uns sofort wie in einer anderen Welt. Das Klima ist herrlich mild, und die Landschaft mit ihren sanften Vulkanhügeln lädt dazu ein, das Auto auch mal stehen zu lassen und die Seele baumeln zu lassen. Besonders beeindruckt hat uns die unglaubliche Freiheit, die hier herrscht: Hunderte von stolzen Pferden bewegen sich völlig ungebunden über das Eiland und verleihen der ohnehin schon idyllischen Kulisse einen ganz besonderen, wilden Charme. Es ist, als hätten Mensch, Natur und Geschichte hier einen ganz eigenen, friedlichen Rhythmus gefunden.

🌅 Wächter des Sonnenuntergangs und Rätsel der Geschichte

Unser erster Spaziergang führte uns ein kleines Stück aus dem Hauptort Hanga Roa hinaus, wo uns die majestätische Statue von Ahu Tahai begrüßte. Mit dem Panorama des Ortes und dem Vulkan Rano Kau im Hintergrund fühlte es sich fast so an, als würden wir durch eine lebendige Postkarte wandern. Ein besonderer Blickfang war Ahu Ko Te Riku: Er ist wohl das eitelste Modell der Insel, denn im Zuge seiner Restauration hat er nicht nur seinen „Pukao“ – einen schicken roten Hut aus Lavagestein – zurückerhalten, sondern blickt uns auch wieder mit strahlenden Augen an.

Die Geschichte der Insel ist buchstäblich in Stein gemeißelt, besonders am alten Steinbruch. Dort stehen zahlreiche Figuren, die wohl gerade für den Abtransport bereit waren, als die Arbeit plötzlich stoppte. Sie sind bis zur Brust eingegraben und werfen Fragen auf, die uns schon den ganzen Tag beschäftigen: Warum sehen sie sich eigentlich alle so verdammt ähnlich? Gab es damals ein modisches Ideal für Steinriesen?

Etwas dramatischer ging es bei den Moai von Ahu Tongariki zu. Diese Giganten wurden 1960 von einem Erdbeben und einem Tsunami regelrecht umgeworfen. Erst 1996 gelang es japanischen Archäologen, diese beeindruckende Truppe wieder auf ihre Podeste zu hieven. Ein anderes Rätsel fanden wir bei Ahu Vinapu. Dort gibt es eine Mauer, die so präzise gefügt ist, dass sie glatt als Werk der Inkas durchgehen könnte. Dass man sie auf unseren Fotos kaum sieht, liegt natürlich nur an den fantastischen Fotomotiven, die uns ständig abgelenkt haben!

Einen Hauch von echtem Südseeflair genossen wir am Sandstrand von Anakena. Dort thronen die sieben Moai von Ahu Nau Nau, vier davon stilecht mit Hut. Ihr exzellenter Teint – also die glatte Oberfläche – kommt daher, dass sie lange Zeit schützend im weichen Sand vergraben waren. Fast alle Statuen der Insel blicken übrigens brav ins Landesinnere, um über ihre Nachfahren zu wachen. Nur die sieben Gesellen von Ahu Akivi tanzen aus der Reihe: Sie schauen sehnsüchtig aufs offene Meer hinaus in den Sonnenuntergang. Man sagt, sie seien den Seefahrern gewidmet – als Segler konnten wir uns mit diesem Ausblick natürlich sofort identifizieren.

Sportlich wurde es bei der Besteigung des Rano Kau. Der vier- bis fünfstündige Marsch führte uns hinter die Flugpiste hinauf zum Kraterrand. Der Blick in den Kratersee ist phänomenal! Interessanterweise wächst dort dasselbe Schilf wie am Titicaca-See in Peru. Das befeuerte lange die Theorie, die ersten Siedler seien Inkas gewesen. Doch die moderne Wissenschaft ist unerbittlich: DNA-Analysen zeigen heute, dass die Ureinwohner ganz klassisch von Westen her, mutig gegen den Passatwind, hierher segelten.

Zum krönenden Abschluss wollten wir bei Ahu Tahai das perfekte Sonnenuntergangsfoto schießen. Wir dachten, wir hätten einen Geheimtipp entdeckt – bis wir feststellten, dass etwa 50 andere „Hobby-Knipser“ exakt dieselbe geniale Idee hatten! Doch der Anblick war es wert. Mit diesem magischen Bild im Gepäck verließen wir die mystische Insel und flogen in gut vier Stunden Richtung Santiago de Chile. Die Statuen bleiben zurück, aber die Faszination nehmen wir mit über die Anden.
Ahu Tahai
Ahu Tahai
die fehlende Steinfigur wird einfach durch Nathalie ersetzt 😍
Ahu Tahai
Ahu Tahai
Unser erster Spaaziergang führte uns etwas ausserhalb des Hauptortes „Hanga Roa“. Auf dem Bild ist die Statue von „Ahu Tahai“ zu sehen. Im Hintergrund „Hanga Roa“ mit dem Vulkan „Rano Kau“.
Ahu Ko Te Riku
Ahu Ko Te Riku
Er hat anlässlich seiner Restauration den „Pukao“ (roter Hut) und seine Augen wieder gefunden.
Grössenvergleich
Grössenvergleich
Die stehenden Figuren am Steinbruch sollen für den Abtransport bestimmt gewesen sein. Sie sind bis auf Brusthöhe eingegraben.
Moai von Ahu Tongariki
Moai von Ahu Tongariki
Die „Moai“ von „Ahu Tongariki“ wurden 1996 von japanischen Archäologen restauriert und wieder aufgestellt, nachdem sie von einem Erdbeben und von einem Tsunami im Mai 1960 zerstört wurden.
Ahu Vinapu
Ahu Vinapu
Die „Inka-Mauer“ bei „Ahu Vinapu“: Leider ist davon nicht mehr viel zu sehen.
Grössenvergleich.
Grössenvergleich.
Die Figuren haben eine erhabene Grösse, vorallem wenn man weiss, dass 2/3 der Figur im Boden versenkt sind.
Ahu Nau Nau
Ahu Nau Nau
Am kleinen Sandstrand von „Anakana“ mit „Südseeflair“ stehen die 7 „Moai“ von „Ahu Nau Nau“, vier davon mit intakten „Hüten“. Ihre Schönheit haben sie dem Umstand zu verdanken, dass sie mit dem Kopf voran lange Zeit im Sand begraben waren.
Kein Blik fürs Meer
Kein Blik fürs Meer
Alle Statuen blicken ins Zentrum der Insel ...
Ahu Akivi
Ahu Akivi
... ausser den 7 „Moai“ von „Ahu Akivi“. Sie sind offensichtlich den Seglern gewidmet, denn sie schauen auf das offene Meer in den Sonnenuntergang.
Vulkans „Rano Kau“
Vulkans „Rano Kau“
Heute haben wir uns die „Ersteigung“ des Vulkans „Rano Kau“, im Westen der Insel, hinter der Flugpiste, vorgenommen.
Ähnlichkeiten?
Ähnlichkeiten?
Mal vom Hinterkopf abgesehen, kann eine gewisse Ähnlichkeit nicht verleugnet werden 🤩
Ahu Tahai
Ahu Tahai
Den Abschluss unseres Osterinselbesuchs widmeten wir ganz gezielt dem Fotografieren eines Sonnenuntergangs mit den Statuen bei „Ahu Tahai“.






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