🌅 Wächter des Sonnenuntergangs und Rätsel der Geschichte
Unser erster Spaziergang führte uns ein kleines Stück aus dem Hauptort Hanga Roa hinaus, wo uns die majestätische Statue von Ahu Tahai begrüßte. Mit dem Panorama des Ortes und dem Vulkan Rano Kau im Hintergrund fühlte es sich fast so an, als würden wir durch eine lebendige Postkarte wandern. Ein besonderer Blickfang war Ahu Ko Te Riku: Er ist wohl das eitelste Modell der Insel, denn im Zuge seiner Restauration hat er nicht nur seinen „Pukao“ – einen schicken roten Hut aus Lavagestein – zurückerhalten, sondern blickt uns auch wieder mit strahlenden Augen an.
Die Geschichte der Insel ist buchstäblich in Stein gemeißelt, besonders am alten Steinbruch. Dort stehen zahlreiche Figuren, die wohl gerade für den Abtransport bereit waren, als die Arbeit plötzlich stoppte. Sie sind bis zur Brust eingegraben und werfen Fragen auf, die uns schon den ganzen Tag beschäftigen: Warum sehen sie sich eigentlich alle so verdammt ähnlich? Gab es damals ein modisches Ideal für Steinriesen?
Etwas dramatischer ging es bei den Moai von Ahu Tongariki zu. Diese Giganten wurden 1960 von einem Erdbeben und einem Tsunami regelrecht umgeworfen. Erst 1996 gelang es japanischen Archäologen, diese beeindruckende Truppe wieder auf ihre Podeste zu hieven. Ein anderes Rätsel fanden wir bei Ahu Vinapu. Dort gibt es eine Mauer, die so präzise gefügt ist, dass sie glatt als Werk der Inkas durchgehen könnte. Dass man sie auf unseren Fotos kaum sieht, liegt natürlich nur an den fantastischen Fotomotiven, die uns ständig abgelenkt haben!
Einen Hauch von echtem Südseeflair genossen wir am Sandstrand von Anakena. Dort thronen die sieben Moai von Ahu Nau Nau, vier davon stilecht mit Hut. Ihr exzellenter Teint – also die glatte Oberfläche – kommt daher, dass sie lange Zeit schützend im weichen Sand vergraben waren. Fast alle Statuen der Insel blicken übrigens brav ins Landesinnere, um über ihre Nachfahren zu wachen. Nur die sieben Gesellen von Ahu Akivi tanzen aus der Reihe: Sie schauen sehnsüchtig aufs offene Meer hinaus in den Sonnenuntergang. Man sagt, sie seien den Seefahrern gewidmet – als Segler konnten wir uns mit diesem Ausblick natürlich sofort identifizieren.
Sportlich wurde es bei der Besteigung des Rano Kau. Der vier- bis fünfstündige Marsch führte uns hinter die Flugpiste hinauf zum Kraterrand. Der Blick in den Kratersee ist phänomenal! Interessanterweise wächst dort dasselbe Schilf wie am Titicaca-See in Peru. Das befeuerte lange die Theorie, die ersten Siedler seien Inkas gewesen. Doch die moderne Wissenschaft ist unerbittlich: DNA-Analysen zeigen heute, dass die Ureinwohner ganz klassisch von Westen her, mutig gegen den Passatwind, hierher segelten.
Zum krönenden Abschluss wollten wir bei Ahu Tahai das perfekte Sonnenuntergangsfoto schießen. Wir dachten, wir hätten einen Geheimtipp entdeckt – bis wir feststellten, dass etwa 50 andere „Hobby-Knipser“ exakt dieselbe geniale Idee hatten! Doch der Anblick war es wert. Mit diesem magischen Bild im Gepäck verließen wir die mystische Insel und flogen in gut vier Stunden Richtung Santiago de Chile. Die Statuen bleiben zurück, aber die Faszination nehmen wir mit über die Anden.