Segelnde Fußballfans und rote Lippen: Leben in den Louisiaden
Die Louisiader sind geborene Seefahrer - mit ihren bunten Auslegerkanus pflügen sie selbst nachts sicher durch die Wellen, immer auf Kurs zu den Nachbarinseln. Wir schätzen ihr Tempo auf mindestens 5 Knoten, und das ganz ohne GPS oder Kompass! Doch nicht nur Navigation beherrschen sie perfekt: Fußball ist ihre zweite Leidenschaft.
Jeden Samstag wird auf Moturina ein kleines Turnier ⚽ ausgetragen. An diesem Wochenende kam sogar eine Delegation aus Panapompom (20 Seemeilen entfernt!) angesegelt - 35 Personen in einem Kanu! Während der Fahrt mussten sie mehrfach ins Wasser springen, um das Boot auszubailen. Die Rückfahrt am Sonntag fiel dann wegen Starkwinds aus - doch das war kein Problem, denn Panapompom hatte ohnehin gewonnen. Obwohl, ehrlich gesagt: Ihr Sieg hing wohl eher daran, dass die Gegner barfuß spielen mussten, während sie selbst Fußballschuhe trugen!
Schweine 🐖, Stelzenhäuser und Bethelnuss: Kuriositäten des Alltags
Hier laufen die Schweine frei herum - genau wie in Tonga. Nur die Gärten sind eingezäunt, anders als in Fiji, wo es umgekehrt ist. Und dann sind da noch die Häuser auf Stelzen, die den Louisiaden ihren ganz eigenen Charme verleihen.
Die Frauen wiederum verblüffen uns mit einer besonderen Tradition: Das Kauen der Bethelnuss. Sie behaupten, es mache die Lippen schön rot - wir bleiben skeptisch. Im Gegensatz zum beruhigenden Kava der Südpazifik-Inseln wollen wir dieses feurige Mixgetränk lieber nicht probieren. Die Zubereitung ist nämlich ... gewöhnungsbedürftig:
Das Ergebnis? Eine blutrote Flüssigkeit, die nach dem Kauen prompt ausgespuckt wird. Ob’s wirklich schön macht? Wir lassen es lieber die Locals entscheiden ...
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Abenteuerliche Abreise von Moturima - Pannen, verbogene Anker und Ozeanriesen
Um 9 Uhr morgens lichteten wir die Anker - Richtung Port Moresby. Doch das Glück war uns heute nicht hold:
Doch bis Mittag war alles notdürftig geflickt, und wir konnten ablegen. Jean hingegen blieb das Pech treu: Sein Anker hatte sich derart in den Korallen verkeilt, dass er ihn nur mit Gewalt befreien konnte - und dabei den Ankerschaft um volle 90° verbog. (Falls jemand fragt: Ja, Amel-Anker sind robust - aber gegen Korallenriffe haben auch sie keine Chance!)
Durch den Jomard-Pass: Tanker-Wellen und Schiffsverkehr
Drei Stunden später durchquerten wir den Jomard-Pass, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Australien. Hier herrscht Hochbetrieb - und wir kreuzten den Weg eines 280-Meter-Frachters auf dem Weg nach Taiwan. Zum Glück in sicherer Distanz, denn die Bugwelle dieses Kolosses hätte uns sonst ordentlich durchgeschüttelt.
Doch auch so war die Passage kein Zuckerschlecken: Enorme Dünung, von vorbeiziehenden Ozeanriesen verstärkt, jagte uns quer durch die Straße.
2011.06 - Port Moresby: Boomtown mit Bürokratie-Charme
Vom Wasser aus präsentiert sich Port Moresby fast schon malerisch - doch an Land offenbart sich die Wahrheit: Die Stadt platzt aus allen Nähten. Der Fund riesiger Gasvorkommen hat einen Wirtschaftsboom ausgelöst, und die Preise sind in schwindelerregende Höhen geklettert. Was für Einheimische eine Belastung ist, macht sich auch bei uns bemerkbar: Alles hier ist wahnsinnig teuer.
Das große Stempel-Spektakel: Einklarieren in Papua-Neuguinea
Das Einklarieren gleicht einer bürokratischen Schnitzeljagd:
Visums-Marathon und Anker-Sorgen
Eigentlich sind wir nur hier, um unser Indonesien-Visum zu besorgen - doch der Papierkrieg ist endlos. Noch fehlt ein Formular, aber da wir erst Ende nächster Woche nach Kupang (Timor) aufbrechen, bleibt uns zumindest der Zeitdruck erspart.
Größere Sorgen bereitet uns das sichere Ankern:
Fazit: Zwischen Boom und Bürokratie
Port Moresby ist ein Ort der Gegensätze:
Doch trotz allem: Die Stadt ist ein notwendiges Übel auf unserer Reise - und immerhin eine kurios-unvergessliche Erfahrung.
Port Moresbys heimlicher Charme: Die melancholische Schönheit der Hafenbucht
Während die Stadt selbst mit ihrem wirtschaftlichen Boom und hektischen Treiben eher erschlägt, hat die Bucht von Port Moresby einen ganz eigenen Reiz. Hier, zwischen alten, vom Salzwasser gezeichneten Fischerbooten, deren Rümpfe sich unter Rost und abgeblätterter Farbe biegen, spürt man noch die Seele des Ortes.
Diese schrottreifen, aber noch seetüchtigen Gefährte erzählen Geschichten von harter Arbeit und einfachem Leben - ein krasser Kontrast zu den glänzenden Bürotürmen der Innenstadt. Manche liegen halb versunken im seichten Wasser, andere dümpeln vor sich hin, als würden sie auf ihre nächste (vielleicht letzte?) Fahrt warten.
Es ist ein fotogenes Elend, das hier vor Anker liegt: Die Farben der Boote - verblasstes Blau, bröckelndes Rot, salzkrustiges Grün - leuchten in der tropischen Sonne, während Möwen sich auf den verwitterten Steven niederlassen. Und irgendwie hat dieser Anblick mehr Authentizität und Poesie als alles, was die moderne Stadt zu bieten hat.
Vielleicht liegt es daran, dass hier noch Echtheit zu finden ist - kein aufgeblasener Gas-Boom, keine überteuerten Restaurants, nur das stille Wirken von Fischern, die ihr Leben dem Meer verdanken 🚤🌅
Bethelnuss-Experiment: Unser Abstecher in Papua-Neuguineas stimulierende Tradition
Murali, unser malaysischer Freund und Papua-Kenner, bestand darauf: "Wer die Kultur hier wirklich verstehen will, muss die Bethelnuss probieren!" Also ließen wir uns - an Bord von Jeans Schiff - auf dieses kulinarisch-chemische Abenteuer ein.
Die Zutaten: Eine explosive Mischung
Das Ritual:
Der Effekt:
Ein kurzer, rauschartiger Kick - eine Mischung aus leichtem Schwindel und wachem Hochgefühl, das aber schnell verfliegt. Wir fragten uns: Wie zum Teufel können Leute das beim Autofahren kauen? Wenn schon wir nach einer Nuss leicht benommen waren, wie mag es erst jemandem gehen, der täglich ein Dutzend davon verdrückt?
Fazit:
Ein kultiger, aber ekliger Brauch - und doch irgendwie faszinierend. Wir haben es überlebt, unsere Zähne waren einen Tag lang rötlich … und Murali lachte sich kaputt über unsere verzogenen Gesichter. Würden wir es nochmal tun? Sicher nicht. Bereuen wir es? Nicht eine Sekunde!
Ein Sonntag mit Insidern: Port Moresby aus ungewohnter Perspektive
An unserem freien Tag erwartete uns eine kulinarische und kulturelle Führung der Extraklasse - dank unserer Freunde Musy und Murali, zwei malaysischen Expats, die seit Jahren in Port Moresby leben und arbeiten.
Murali, ein IT-Unternehmer, der vor allem mit Behörden zusammenarbeitet, kennt die Stadt wie seine Westentasche. Gemeinsam mit Musy entführten sie uns zunächst in ein chinesisches Restaurant, das uns mit einem Festmahl überraschte - eine willkommene Abwechslung nach wochenlangem Schiffskoch-Topf!
Doch das Highlight folgte nach dem Essen: Sie zeigten uns Port Moresby von oben! Von einem Aussichtspunkt oder Hochhaus (je nachdem, was verfügbar ist) eröffnete sich ein atemberaubender Blick über die zerklüftete Skyline der Boomtown - ein faszinierender Kontrast zwischen modernen Bürotürmen, Slums und dem glitzernden Meer in der Ferne.
Musy und Murali wussten zu jedem Viertel eine Geschichte: Wo die teuersten Apartments stehen, in welchen Gassen man besser nicht allein unterwegs ist, und warum selbst die Regierungsgebäude trotz Gas-Reichtums eher nüchtern wirken.
Ein Tag, der uns Port Moresby plötzlich mit anderen Augen sehen ließ - nicht mehr nur als bürokratische Zwischenstation, sondern als Ort mit Ecken, Kanten und unerwarteten Schönheiten.
Jean’s "Too Much"-Abenteuer: Gestrandet auf dem Korallenkopf
Während wir heute früh, noch im Halbschlaf den Unterwasserbereich unseres Bootes schrubbten, erlebte Jean eine etwas ungewöhnlichere Morgendämmerung.
Unser Tag: Routinearbeiten mit Taucherbrille
Um für die lange Reise nach Indonesien bereit zu sein, hieß es: Boot putzen, Antifouling checken, Propeller entkrauten. Also ab ins noch kühle Wasser, und nach zwei Stunden konzentrierter Arbeit war alles blitzblank.
Jeans "Kurzurlaub" auf dem Korallenriff
Unser Freund Jean hingegen hatte einen etwas kreativeren Ansatz für seine Unterwasserarbeiten: Beim Umankern steuerte er versehentlich seinen Amel "Too Much" direkt auf einen Korallenkopf - und saß fest! Kein Vor und Zurück, kein Wegzerren. Die einzige Lösung? Auf die nächste Flut warten.
Doch wie ein echter Seemann machte er aus der Not eine Tugend: Statt untätig im Cockpit zu sitzen, stand er bis zur Hüfte im Wasser und putzte kurzerhand seinen Rumpf - stehend, während sein Schiff auf den Korallen thronte wie eine gestrandete Meerjungfrau.
Glück im Unglück?
Am Ende kam die Flut, "Too Much* schwamm wieder frei - und Jean hatte nicht nur ein sauberes Schiff, sondern auch eine Anekdote fürs Leben.
Moral der Geschichte: Manchmal zwingt einen das Meer zur Pause … und dann putzt man eben, bis die Flut einen wieder freilässt!
Ein unerwarteter Abschied: Herzlichkeit am frühen Morgen
Der Samstag begann mit einer wunderschönen Überraschung: Musy und Murali standen plötzlich an Deck - in der frischen Morgendämmerung, nur um sich noch einmal persönlich von uns zu verabschieden. Nach all den gemeinsamen Essen, den Bethelnuss-Experimenten und ihren Insider-Touren durch Port Moresby war diese spontane Geste der perfekte Abschluss.
Wir umarmten uns, lachten über unsere Abenteuer und versprachen: "Nächstes Jahr in Malaysia!" Denn wer weiß - vielleicht treffen wir sie ja wieder, wenn wir ihre Heimat ansteuern. Bis dahin bleiben sie zwei dieser seltenen Menschen, die eine fremde Stadt plötzlich wie ein Zuhause fühlen lassen.
Und dann waren sie weg - zurück an Land, während wir die Leinen loswarfen. Aber dieses Mal war der Abschied etwas leichter. Weil manche Bekanntschaften nicht enden, sondern nur eine Pause einlegen.