2011.06 - PNG, Louisiades
 
 
2011.07 - Ankunft in den Louisiaden (PNG)

Endlich sind wir da - die Louisiaden! Doch die letzte Etappe unserer 1.000-Seemeilen-Reise war ein echter Kraftakt. Zwar bescherte uns der Wind gutes Tempo, aber eine lästige Gegenströmung von 1-2 Knoten bremste uns aus. So kämpften wir uns mit mäßigen 5-6 Knoten durch eine unruhige See, die unser Boot ordentlich durchschüttelte. Zum Glück änderten sich die Bedingungen auf den letzten 150 Seemeilen: Plötzlich jagten wir mit 7,5 bis teilweise über 9 Knoten über das Wasser - und das Rollen hörte wie von Zauberhand auf! 

Pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir den "Duchateau Entrance" (11°18'S, 152°20'E), direkt hinter der winzigen, unbewohnten Insel Pana Bobai. Die Einsamkeit auf dieser Strecke war fast schon gespenstisch: Kein einziges Schiff kreuzte unseren Weg - zumindest kein sichtbares. Doch dank AIS wussten wir, dass wir nicht allein waren. Auf unserer Karte tauchten die riesigen Container­schiffe wie Geister auf, die unseren Kurs in sicherer Entfernung kreuzten. Ein beruhigender Gedanke: Die Kolosse da draußen können uns ebenso sehen wie wir sie! 

(Kleiner Technik-Exkurs für Landratten: AIS - das "Automatic Identification System" - ist für große Schiffe Pflicht und funkt wie eine maritime WhatsApp. Via VHF sendet es ständig Position, Kurs und Tempo, sodass wir alle auf unserem Plotter sehen. Praktisch - vor allem, wenn das System nicht nur anzeigt, wer in der Nähe ist, sondern auch warnt, falls sich jemand zu sehr annähert!) 

Karte: Auf dem Weg von Vanuatu zu den Lousiaden.

Die Flagge von Papua-Neuguinea

Geteilt durch eine schräge Diagonale, erzählt sie von den beiden Kolonialzeiten, aus denen der moderne Staat entstand: 

Oben rechts, auf rotem Grund, schwebt der Paradiesvogel - ein Erbe aus der Zeit Deutsch-Neuguineas. Die Wahl des Vogels geht auf den deutschen Ornithologen Otto Finsch zurück, der nicht nur die Tierwelt erforschte, sondern auch bei der Inbesitznahme eine (nicht ganz unumstrittene) Rolle spielte. 
Unten links, vor tiefschwarzem Hintergrund, funkelt das Kreuz des Südens - ein klares Bekenntnis zu Australiens Einfluss während der Papuazeit. 


Nächtlicher Landeanflug - Ein müder Vogel an Bord 

Spätabends bekamen wir unerwarteten Besuch: Ein erschöpfter Seevogel entschied, dass unser Boot die perfekte Raststätte sei. Doch die Landung gestaltete sich schwieriger als gedacht - schließlich müssen Vögel, genau wie Flugzeuge, gegen den Wind anfliegen. Und ausgerechnet unsere Segel versperrten ihm den Weg! 

Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang ihm schließlich eine notdürftige Landung auf dem Außenborder - nicht gerade ein Luxus-Sitz, aber immerhin ein sicherer Halt. Später wechselte er dann zur Reeling, wo er sich mit stoischer Geduld den Wellenbewegungen anpasste. Schlafen? Fehlanzeige! Stattdessen balancierte er die ganze Nacht wie ein schaukelnder Seiltänzer, jedes Schwanken unseres Bootes mit ausgebreiteten Flügeln ausgleichend. 

Doch irgendwann war selbst dem geduldigsten Passagier genug: Bei Tagesanbruch spreaderte er seine Flügel und verschwand wieder in die Weiten des Ozeans. Ob er später seinen Artgenossen von seinem Abenteuer auf dem "fliegenden Holländer" erzählt hat? Wir werden es wohl nie erfahren … 
🦜⛵😊.




2011.06 - Ankerparadies in der Vogelbucht von Du Cateau Island

Kurz nach Mittag warfen wir in der Duchateau-Bucht Anker - umgeben von drei unbewohnten Inseln: Pana Bobai, Pana Rura und Kukulaba, die wie vergessene Juwelen in der blauen Weite der Louisiaden lagen. Einsam? Ja. Aber keineswegs still! 

Was für ein Empfang: Palmen, die sich über puderweiße Strände lehnen, ein Meer in allen Schattierungen von Türkis bis Saphir - und darüber der Himmel, erfüllt von Seevögeln. Wer braucht schon Zivilisation, wenn die Natur so überwältigend ist?

Am nächsten Morgen gesellte sich Jean dazu - mit seiner Super Maramu "Too Much" (einem Schwesterschiff unseres Bootes) - und brachte etwas Gesellschaft in diese abgelegene Idylle. Doch die eigentliche Begrüßungsparty hatten längst andere übernommen: Tausende Vögel beherrschten die Bucht mit einem Spektakel aus Flügelschlägen und schrillen Rufen. 

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Ein gespenstisches Wiedersehen - Das Schicksal einer Super Maramu 

Über 600 baugleiche Amel Super Maramus wurden gebaut - doch was sind die Chancen, ausgerechnet am Ende der Welt auf die Überreste eines unserer Schwesterschiffe zu stoßen? Eigentlich müssten sie verschwindend gering sein. Und doch: Bei einem Strandspaziergang auf Du Chateau Island entdeckten wir sie. Zuerst nur ein paar unauffällige Trümmer, dann - als wir den charakteristischen Kiel erkannten - wurde uns klar, dass wir die sterblichen Überreste einer Super Maramu vor uns hatten. 

Drei junge Männer von der Nachbarinsel Utian - Daison, Joel und Michael - bestätigten unsere Vermutung. Vor etwa fünf oder sechs Jahren, erzählten sie, sei das Schiff hier während eines schweren Sturms gesunken. Die Vorstellung lässt einen schaudern: In dieser abgelegenen Gegend, fernab jeder Rettungskette, sein Schiff zu verlieren - das muss eine grauenhafte Erfahrung gewesen sein. 

Die Trümmer lagen nun da, halb vom Sand verschluckt, von Muscheln überwuchert und von der Sonne gebleicht. Ein seltsam gespenstischer Anblick - als ob das Meer uns erinnern wollte: Selbst die solidesten Schiffe sind hier nur Gäste auf Zeit.  ⚓
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Die Geister der "San Christobal" - Auf den Spuren einer gesunkenen Super Maramu 

Die Geschichte der gesunkenen Amel-Yacht ließ uns nicht los. Auf Moturima, einer Insel 15 See­meilen vom Unglücksort entfernt, stießen wir immer wieder auf ihre Überreste - wie verstreute Puzzleteile einer vergangenen Seefahrergeschichte. 

Mit einer gewissen Schatzsucher-Euphorie durchsuchten wir die Strände, heimlich hoffend, auf rare Amel-spezifische Ersatzteile zu stoßen - Teile, die für andere wertlos, für uns jedoch Gold wert gewesen wären. Doch je mehr wir fanden, desto klarer wurde: Nur nutzlose Fragmente hatten die Jahre überdauert. 

Wo aber waren die wertvollen Stücke geblieben? Die Motoren, die Getriebe, die Winschen, der Generator? Niemand auf der Insel konnte uns eine Antwort geben. Das Unglück der "San Christobal" - so erfuhren wir immerhin - lag schon zu weit zurück (2004), und die Erinnerung der Menschen war verblasst. Immerhin ein Trost: Die Crew hatte damals überlebt.

Es war seltsam, diese Relikte zu sehen - wie eine Mahnung, dass selbst die solidesten Schiffe der See nicht ewig trotzen. Und doch: Während wir die rostigen Überreste betrachteten, fragten wir uns, ob nicht irgendwo, in einer versteckten Hütte oder einem abgelegenen Dorf, noch ein vergessenes Stück der San Christobal darauf wartete, entdeckt zu werden ... 






Ein Tag wie aus dem Südsee-Traum

Was für ein Tag! Kaum hatten wir die Überreste unserer gesunkenen Schwesteryacht entdeckt, bekamen wir Besuch von den drei Jungen von der Nachbarinsel Utian - Daison, Joel und Michael - die uns mit einer köstlichen Überraschung beglückten: Frische Langusten, eine für jeden von uns! 

Sie blieben ein paar Stunden an Bord, plauderten und lachten mit uns. Als kleines Dankeschön schenkten wir ihnen Farben, damit sie ihr Kanu auffrischen konnten - ein praktisches Geschenk, das sicherlich bald in leuchtenden Farben über das Wasser gleiten würde. 

Dann das kulinarische Highlight: Jean, unser Super-Maramu-Nachbar, verwandelte die Langusten in ein Festmahl auf seiner "Too Much". Während wir das zarte Fleisch genossen, erzählten wir uns Geschichten aus aller Welt. Doch das Beste kam noch: Als Dessert servierte Jean französischen Käse und Vanilleeis - mit echter Vanille aus Französisch-Polynesien! 

Und die Pointe? Dieser Gaumenschmaus hatte eine kleine Odyssee hinter sich: Jean war extra für diese Delikatessen vier Tage nach Nouméa in Neukaledonien gesegelt. Wer hätte gedacht, dass man mitten in den abgelegenen Louisiaden, am östlichen Ende Papua-Neuguineas, solch ein Menü genießen kann? 

Ein Tag, der alles vereinte: Gastfreundschaft, Lachen, frischen Meeresfrüchte und französischen Genuss - genau das, was Südsee-Träume wahr macht!

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2011.06 - Willkommen in Moturina: Tauschhandel und Gastfreundschaft am Ende der Welt 

Nach drei Stunden Kampf gegen den Wind erreichten wir Moturina Island, 15 Seemeilen nordöstlich der Duchateau-Inseln. Der Ankerplatz im Norden der Insel (11°04.319'S, 152°33.394'E) erwies sich als perfekt: ruhig, geschützt - und vor allem voller herzlicher Menschen

Kaum lagen wir vor Anker, kamen sie - in kleinen Auslegerkanus, eines nach dem anderen, bis das Wasser um unser Schiff von neugierigen Besuchern belebt war. Jeder brachte etwas mit: frische Papayas, knusprige Tarowurzeln, saftige Ananas - alles aus ihren üppigen Gärten. Im Gegenzug hofften sie auf Dinge, die für uns alltäglich, für sie jedoch kostbar waren: Schulhefte, Stifte, Kugelschreiber, T-Shirts

Hier gibt es keine Läden, keine Versorgungsschiffe - nur das pure Prinzip des Tauschhandels, und es funktioniert wunderbar. Die Inselbewohner, die neben ihrer eigenen Sprache auch fließend Englisch sprechen, plaudern mit uns bei Strandspaziergängen und erzählen von ihrem Leben. Wir erfahren, wie sie Fische fangen, Gärten bestellen und Feste feiern - eine Welt, in der Gemeinschaft alles und Konsum nichts bedeutet. 

Es ist einer dieser magischen Orte, an denen man nicht nur anlegt, sondern ankommt - wenn auch nur für ein paar Tage.
🌺🌺🌺🌺

Porträt einer Louisiaden-Schönheit 

Das Lächeln der Inseln: Ihre Lippen leuchten rubinrot, ein Zeichen jahrelanger Bethelnuss-Tradition - ebenso wie die zarten Spuren an ihren Zähnen, die von unzähligen Stunden des Kauens erzählen. Doch was zuerst auffällt, ist ihre anmutige Präsenz: eine junge Frau mit sanftem Blick und einer Ausstrahlung, die zwischen moderner Selbstverständlichkeit und uraltem Inselcharme balanciert. 

Die dezente Tätowierung an ihrer Schläfe und Wangen windet sich wie ein Geheimnis über die Haut - kein lautes Statement, sondern ein flüsterndes Erbe ihrer Kultur. Jede Linie könnte eine Geschichte erzählen: von Stammesriten, von Übergängen, von Stolz. 

Ihr Gesicht ist Sonnengeküsst und lässig stolz, als wisse sie, dass Schönheit hier nicht aus Make-up-Fläschchen kommt, sondern aus dem Leben selbst. Aus dem Salz des Meeres, dem Rot der Bethelnuss, dem Rhythmus der Wellen. 

Sie ist kein Postkartenmotiv
🌺. Sie ist echt. Und genau das macht sie unwiderstehlich. 


Segelnde Fußballfans und rote Lippen: Leben in den Louisiaden 


Die Louisiader sind geborene Seefahrer - mit ihren bunten Auslegerkanus pflügen sie selbst nachts sicher durch die Wellen, immer auf Kurs zu den Nachbarinseln. Wir schätzen ihr Tempo auf mindestens 5 Knoten, und das ganz ohne GPS oder Kompass! Doch nicht nur Navigation beherrschen sie perfekt: Fußball ist ihre zweite Leidenschaft


Jeden Samstag wird auf Moturina ein kleines Turnier  ausgetragen. An diesem Wochenende kam sogar eine Delegation aus Panapompom (20 Seemeilen entfernt!) angesegelt - 35 Personen in einem Kanu! Während der Fahrt mussten sie mehrfach ins Wasser springen, um das Boot auszubailen. Die Rückfahrt am Sonntag fiel dann wegen Starkwinds aus - doch das war kein Problem, denn Panapompom hatte ohnehin gewonnen. Obwohl, ehrlich gesagt: Ihr Sieg hing wohl eher daran, dass die Gegner barfuß spielen mussten, während sie selbst Fußballschuhe trugen! 



Schweine 🐖, Stelzenhäuser und Bethelnuss: Kuriositäten des Alltags


Hier laufen die Schweine frei herum - genau wie in Tonga. Nur die Gärten sind eingezäunt, anders als in Fiji, wo es umgekehrt ist. Und dann sind da noch die Häuser auf Stelzen, die den Louisiaden ihren ganz eigenen Charme verleihen. 


Die Frauen wiederum verblüffen uns mit einer besonderen Tradition: Das Kauen der Bethelnuss. Sie behaupten, es mache die Lippen schön rot - wir bleiben skeptisch. Im Gegensatz zum beruhigenden Kava der Südpazifik-Inseln wollen wir dieses feurige Mixgetränk lieber nicht probieren. Die Zubereitung ist nämlich ... gewöhnungsbedürftig: 


  • Arecanuss (überraschend süß!) 
  • Pfefferbohne (scharf!) 
  • Korallenkalk (ja, verbrannte und gemahlene Korallen!) 

Das Ergebnis? Eine blutrote Flüssigkeit, die nach dem Kauen prompt ausgespuckt wird. Ob’s wirklich schön macht? Wir lassen es lieber die Locals entscheiden ... 


Abenteuerliche Abreise von Moturima - Pannen, verbogene Anker und Ozeanriesen 


Um 9 Uhr morgens lichteten wir die Anker - Richtung Port Moresby. Doch das Glück war uns heute nicht hold: 


  • Jean hatte Ärger mit dem Elektromotor seiner Genua-Winde - kein Ein- oder Ausrollen möglich. 
  • Bei uns machte das Expansionsgefäß schlapp (ein Loch, natürlich!). 

Doch bis Mittag war alles notdürftig geflickt, und wir konnten ablegen. Jean hingegen blieb das Pech treu: Sein Anker hatte sich derart in den Korallen verkeilt, dass er ihn nur mit Gewalt befreien konnte - und dabei den Ankerschaft um volle 90° verbog. (Falls jemand fragt: Ja, Amel-Anker sind robust - aber gegen Korallenriffe haben auch sie keine Chance!) 



Durch den Jomard-Pass: Tanker-Wellen und Schiffsverkehr 


Drei Stunden später durchquerten wir den Jomard-Pass, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten zwischen Asien und Australien. Hier herrscht Hochbetrieb - und wir kreuzten den Weg eines 280-Meter-Frachters auf dem Weg nach Taiwan. Zum Glück in sicherer Distanz, denn die Bugwelle dieses Kolosses hätte uns sonst ordentlich durchgeschüttelt. 


Doch auch so war die Passage kein Zuckerschlecken: Enorme Dünung, von vorbeiziehenden Ozeanriesen verstärkt, jagte uns quer durch die Straße.




2011.06 - Port Moresby: Boomtown mit Bürokratie-Charme


Vom Wasser aus präsentiert sich Port Moresby fast schon malerisch - doch an Land offenbart sich die Wahrheit: Die Stadt platzt aus allen Nähten. Der Fund riesiger Gasvorkommen hat einen Wirtschaftsboom ausgelöst, und die Preise sind in schwindelerregende Höhen geklettert. Was für Einheimische eine Belastung ist, macht sich auch bei uns bemerkbar: Alles hier ist wahnsinnig teuer



Das große Stempel-Spektakel: Einklarieren in Papua-Neuguinea 


Das Einklarieren gleicht einer bürokratischen Schnitzeljagd


  • Ein Heer von Beamten verschiedenster Behörden erscheint - jeder mit Mütze, Stempel und einem Berg von Formularen bewaffnet. 
  • Das Gesundheitsdepartement verkauft uns für stolze 30 Euro ein Zertifikat, das besagt, wir hätten keine Kakerlaken an Bord. Bewiesen hat das natürlich niemand - nicht einmal ein flüchtiger Blick unter die Sitzkissen. 
  • Der Zollbeamte (unverkennbar an seiner offiziellen Mütze) deutet diskret an, dass ein Mittagessen in bar den Prozess beschleunigen könnte. 


Visums-Marathon und Anker-Sorgen


Eigentlich sind wir nur hier, um unser Indonesien-Visum zu besorgen - doch der Papierkrieg ist endlos. Noch fehlt ein Formular, aber da wir erst Ende nächster Woche nach Kupang (Timor) aufbrechen, bleibt uns zumindest der Zeitdruck erspart. 


Größere Sorgen bereitet uns das sichere Ankern

  • Der Royal Yacht Club hat keinen Platz für Schiffe unserer Größe - also liegen wir draußen, in der Nähe der Einfahrt. 
  • Die Wachmänner des Clubs werfen ab und zu ein Auge auf uns - zumindest hoffen wir das. Denn in einer Stadt wie Port Moresby ist ein unbewachtes Boot ein gefundenes Fressen. 


Fazit: Zwischen Boom und Bürokratie


Port Moresby ist ein Ort der Gegensätze

  • Wirtschaftlicher Aufschwung, der die Preise in die Höhe treibt. 
  • Bürokratie, die mit kreativen Gebühren und "Mittagessen-Spenden" lockert. 
  • Sicherheitsbedenken, die uns zögern lassen, das Schiff allein zu lassen. 

Doch trotz allem: Die Stadt ist ein notwendiges Übel auf unserer Reise - und immerhin eine kurios-unvergessliche Erfahrung






Port Moresbys heimlicher Charme: Die melancholische Schönheit der Hafenbucht


Während die Stadt selbst mit ihrem wirtschaftlichen Boom und hektischen Treiben eher erschlägt, hat die Bucht von Port Moresby einen ganz eigenen Reiz. Hier, zwischen alten, vom Salzwasser gezeichneten Fischerbooten, deren Rümpfe sich unter Rost und abgeblätterter Farbe biegen, spürt man noch die Seele des Ortes. 


Diese schrottreifen, aber noch seetüchtigen Gefährte erzählen Geschichten von harter Arbeit und einfachem Leben - ein krasser Kontrast zu den glänzenden Bürotürmen der Innenstadt. Manche liegen halb versunken im seichten Wasser, andere dümpeln vor sich hin, als würden sie auf ihre nächste (vielleicht letzte?) Fahrt warten. 


Es ist ein fotogenes Elend, das hier vor Anker liegt: Die Farben der Boote - verblasstes Blau, bröckelndes Rot, salzkrustiges Grün - leuchten in der tropischen Sonne, während Möwen sich auf den verwitterten Steven niederlassen. Und irgendwie hat dieser Anblick mehr Authentizität und Poesie als alles, was die moderne Stadt zu bieten hat. 


Vielleicht liegt es daran, dass hier noch Echtheit zu finden ist - kein aufgeblasener Gas-Boom, keine überteuerten Restaurants, nur das stille Wirken von Fischern, die ihr Leben dem Meer verdanken 🚤🌅



Bethelnuss-Experiment: Unser Abstecher in Papua-Neuguineas stimulierende Tradition


Murali, unser malaysischer Freund und Papua-Kenner, bestand darauf: "Wer die Kultur hier wirklich verstehen will, muss die Bethelnuss probieren!" Also ließen wir uns - an Bord von Jeans Schiff - auf dieses kulinarisch-chemische Abenteuer ein. 


Die Zutaten: Eine explosive Mischung 

  • Die Bethelnuss (frisch aus der Schale gebissen) 
  • Die Senfbohne (scharf wie Pfeffer) 
  • Kalksteinpulver (ja, wirklich - verbrannte und gemahlene Korallen!) 

Das Ritual: 

  • -Erster Biss: Die Bethelnuss allein schmeckt schon abscheulich bitter - wie eine Mischung aus Erde und Medizin. 
  • Die volle Dosis: Dann kommt die Senfbohne, in Kalk getunkt, dazu. Plötzlich explodiert der Geschmack zu etwas, das noch schlimmer ist: eine feurig-beißende Paste, die sich im Mund verteilt. 
  • Die Chemie-Show: Der Kalk reagiert mit den ätherischen Ölen der Bohne und setzt Arecolin frei - ein Alkaloid, das mit Nikotin verwandt ist. Das Ergebnis? Eine blutrote Flüssigkeit, die man nach kurzem Kauen ausspuckt (und die dank des Kalks Zähne und Lippen rot färbt). 

Der Effekt: 

Ein kurzer, rauschartiger Kick - eine Mischung aus leichtem Schwindel und wachem Hochgefühl, das aber schnell verfliegt. Wir fragten uns: Wie zum Teufel können Leute das beim Autofahren kauen? Wenn schon wir nach einer Nuss leicht benommen waren, wie mag es erst jemandem gehen, der täglich ein Dutzend davon verdrückt? 


Fazit: 

Ein kultiger, aber ekliger Brauch - und doch irgendwie faszinierend. Wir haben es überlebt, unsere Zähne waren einen Tag lang rötlich … und Murali lachte sich kaputt über unsere verzogenen Gesichter. Würden wir es nochmal tun? Sicher nicht. Bereuen wir es? Nicht eine Sekunde!



Ein Sonntag mit Insidern: Port Moresby aus ungewohnter Perspektive 


An unserem freien Tag erwartete uns eine kulinarische und kulturelle Führung der Extraklasse - dank unserer Freunde Musy und Murali, zwei malaysischen Expats, die seit Jahren in Port Moresby leben und arbeiten. 


Murali, ein IT-Unternehmer, der vor allem mit Behörden zusammenarbeitet, kennt die Stadt wie seine Westentasche. Gemeinsam mit Musy entführten sie uns zunächst in ein chinesisches Restaurant, das uns mit einem Festmahl überraschte - eine willkommene Abwechslung nach wochenlangem Schiffskoch-Topf! 


Doch das Highlight folgte nach dem Essen: Sie zeigten uns Port Moresby von oben! Von einem Aussichtspunkt oder Hochhaus (je nachdem, was verfügbar ist) eröffnete sich ein atemberaubender Blick über die zerklüftete Skyline der Boomtown - ein faszinierender Kontrast zwischen modernen Bürotürmen, Slums und dem glitzernden Meer in der Ferne. 


Musy und Murali wussten zu jedem Viertel eine Geschichte: Wo die teuersten Apartments stehen, in welchen Gassen man besser nicht allein unterwegs ist, und warum selbst die Regierungsgebäude trotz Gas-Reichtums eher nüchtern wirken. 


Ein Tag, der uns Port Moresby plötzlich mit anderen Augen sehen ließ - nicht mehr nur als bürokratische Zwischenstation, sondern als Ort mit Ecken, Kanten und unerwarteten Schönheiten



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Jean’s "Too Much"-Abenteuer: Gestrandet auf dem Korallenkopf


Während wir heute früh, noch im Halbschlaf den Unterwasserbereich unseres Bootes schrubbten, erlebte Jean eine etwas ungewöhnlichere Morgendämmerung


Unser Tag: Routinearbeiten mit Taucherbrille 

Um für die lange Reise nach Indonesien bereit zu sein, hieß es: Boot putzen, Antifouling checken, Propeller entkrauten. Also ab ins noch kühle Wasser, und nach zwei Stunden konzentrierter Arbeit war alles blitzblank. 


Jeans "Kurzurlaub" auf dem Korallenriff 

Unser Freund Jean hingegen hatte einen etwas kreativeren Ansatz für seine Unterwasserarbeiten: Beim Umankern steuerte er versehentlich seinen Amel "Too Much" direkt auf einen Korallenkopf - und saß fest! Kein Vor und Zurück, kein Wegzerren. Die einzige Lösung? Auf die nächste Flut warten


Doch wie ein echter Seemann machte er aus der Not eine Tugend: Statt untätig im Cockpit zu sitzen, stand er bis zur Hüfte im Wasser und putzte kurzerhand seinen Rumpf - stehend, während sein Schiff auf den Korallen thronte wie eine gestrandete Meerjungfrau. 


Glück im Unglück? 

  • Vorteil: Kein lästiges Tauchen nötig - Jean konnte alles im Stand-up-Putzen erledigen. 
  • Nachteil: Der Royal Yacht Club hatte nun ein ungeplantes Live-Spektakel zu bestaunen. 

Am Ende kam die Flut, "Too Much* schwamm wieder frei - und Jean hatte nicht nur ein sauberes Schiff, sondern auch eine Anekdote fürs Leben


Moral der Geschichte: Manchmal zwingt einen das Meer zur Pause … und dann putzt man eben, bis die Flut einen wieder freilässt! 



Ein unerwarteter Abschied: Herzlichkeit am frühen Morgen 


Der Samstag begann mit einer wunderschönen Überraschung: Musy und Murali standen plötzlich an Deck - in der frischen Morgendämmerung, nur um sich noch einmal persönlich von uns zu verabschieden. Nach all den gemeinsamen Essen, den Bethelnuss-Experimenten und ihren Insider-Touren durch Port Moresby war diese spontane Geste der perfekte Abschluss. 


Wir umarmten uns, lachten über unsere Abenteuer und versprachen: "Nächstes Jahr in Malaysia!" Denn wer weiß - vielleicht treffen wir sie ja wieder, wenn wir ihre Heimat ansteuern. Bis dahin bleiben sie zwei dieser seltenen Menschen, die eine fremde Stadt plötzlich wie ein Zuhause fühlen lassen. 


Und dann waren sie weg - zurück an Land, während wir die Leinen loswarfen. Aber dieses Mal war der Abschied etwas leichter. Weil manche Bekanntschaften nicht enden, sondern nur eine Pause einlegen.