2011.09 - Indonesien, Teil 4
 
 

2011.09 - Java: Vulkane, Tempel und ein Hauch von Abenteuer 


Lovina auf Bali erwies sich als perfekter Ausgangspunkt, um unsere "NatHape" für ein paar Tage allein vor Anker liegen zu lassen - schließlich lockte Java mit seinen feuerspeienden Giganten und uralten Tempeln. Mit Bus und Fähre im Gepäck machten wir uns auf den Weg, um Ost- und Zentraljava zu erkunden. Fünf Tage sind natürlich kaum genug, um dieser Insel gerecht zu werden, aber wir konzentrierten uns auf die absoluten Highlights: den mystischen Vulkan Bromo und die weltberühmten Tempelanlagen Borobudur und Prambanan bei Yogyakarta. 



Vulkan Bromo - Wo die Erde atmet 


Nach einer zehnstündigen Nachtfahrt im Bus kamen wir um 4 Uhr morgens in Bromo an - gerade rechtzeitig, um eines der spektakulärsten Naturschauspiele Indonesiens zu erleben. Ein Mini-Van brachte uns auf 1.600 Meter, wo wir in einen robusten 4x4-Jeep umstiegen. Der Fahrer meisterte die holprigen Wege mit der Gelassenheit eines Mannes, der täglich über Mondlandschaften kurvt. 


Am Rand der Anhöhe begann dann der Fußmarsch - ein paar Kilometer durch die kühle Morgenluft, begleitet von anderen Reisenden, die alle dasselbe Ziel hatten: den Sonnenaufgang über den Vulkanen. Und was für ein Anblick! Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Silhouetten des Bromo, Batok und Semeru in goldenes Licht, während Nebelschwaden durch die "Sandsee" des Tengger-Kraters waberten. Es war, als stünde man am Rand der Welt - oder zumindest an einem sehr beeindruckenden Teil davon. 


Das Panorama: In der ersten Morgendämmerung breitet sich vor uns eine surreal schöne Mondlandschaft aus - die Vulkane Bromo, Batok und der rauchende Semeru im Hintergrund, als hätte ein Riese seine Zigarre auf dem Horizont abgelegt. Dazwischen: das "Sandmeer" (Laut Pasir), eine aschegraue Ebene, die sich wie ein erstarrter Ozean bis zum Kraterrand erstreckt. 


Der versteckte Hindu-Tempel: Am Rand des Kraters entdecken wir einen kleinen Tempel, fast verschluckt von Vulkanasche - ein stiller Zeuge der Macht der Natur. Die Einheimischen bringen hier noch immer Opfergaben dar, als wollten sie sagen: "Respektiert den Berg, und er respektiert euch." (Oder zumindest: "Bitte nicht heute ausbrechen!") 

 

Der Bromo selbst: Sein Krater grollt leise vor sich hin - kein bedrohliches Donnern, eher ein murmeln wie ein schläfriger Drache. Der Schwefelgeruch in der Luft erinnert uns diskret daran, dass wir hier auf sehr dünner Erdkruste stehen. Trotzdem: Der Anblick des dampfenden Schlunds ist hypnotisierend. Wer einmal in diese brodelnde Tiefe geblickt hat, vergisst es nie. 

 

Was das Erlebnis perfekt macht:

  • Der Jeep-Ritt über stockdunkle Pisten (halbtouristische Attraktion, halb Achterbahnfahrt). 
  • Der Geruch von Schwefel in der Luft - eine freundliche Erinnerung daran, dass dieser Berg sehr lebendig ist. 
  • Die lokalen Guides, die uns lässig überholten, als wären sie auf einem Sonntagsspaziergang.
  • Die Farben: Wie das Licht innerhalb von Minuten von zartem Rosa zu gleißendem Gold wechselt. 
  • Die Stille: Nur das Knistern der Kameras und ab und zu ein "Wow!" in allen Sprachen der Welt. 
  • Der Kaffee danach: Von einer improvisierten Buden - süß, stark und lebensrettend nach der kalten Morgenwanderung. 






2011.09 - Borobudur: Beim Frühstück mit Buddha


Nach einer nächtlichen Ankunft in Yogyakarta (weil: Warum einfach reisen, wenn es auch abenteuerlich geht?) erwies sich unsere Unterkunft als Geniestreich: Ein Hotel direkt im Tempelgelände - mit Frühstücksblick auf das jahrhundertealte Steinwunder. Keine Eintrittskarten-Schlange, keine Souvenir-Händler, die uns mit "Special price for you!" umzingelten - nur wir, die Morgensonne und 200 Meter zwischen Kaffeetasse und Kultur. 


Borobudur: Ein steinernes Lehrbuch der Erleuchtung


Dieser 9-stufige Koloss aus Vulkanstein (Seitenlänge: 120 m) ist nicht einfach ein Tempel - er ist ein dreidimensionales Meditationsmandala. Jede der neun Terrassen symbolisiert eine Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung: 


  • Unten: Die weltliche Sphäre mit 2.672 Reliefs, die Buddhas Leben und altjavanische Legenden erzählen - der "Instagram-Feed" des 8. Jahrhunderts, nur in Stein gemeißelt. 
  • Mitte: Drei kreisförmige Terrassen mit 72 perforierten Stupas, in denen Buddha-Statuen wie Schätze in Schmuckdosen thronen. 
  • Gipfel: Der große Hauptstupa - leer, aber symbolträchtig. Hier, so sagt man, verkörpert sich das Nirwana. 

Warum es Gänsehaut macht:

  • Das Alter: Gebaut um 800 n. Chr. - als in Europa noch Karl der Große herrschte und die Wikinger Angst vor dem offenen Meer hatten. 
  • Das Geheimnis: Niemand weiß genau, warum er errichtet wurde. Ein Pilgerort? Ein astronomisches Observatorium? Oder einfach ein steinernes "Buddha for Dummies"? 
  • Die Details: An den Reliefen entdeckt man Schiffe, Tänzerinnen, sogar Elefanten - eine ganze Zivilisation, eingefroren in Stein. 

Anekdote am Rande: 

Eine der Buddha-Statuen im obersten Stupa ist bekannt als "Der Glücksbuddha". Legt man die Hand durch ein Loch im Stein und berührt seinen Fuß, soll Wohlstand folgen. Wir haben’s versucht - falls unsere Konten sich nicht füllen, war’s wenigstens ein lustiges Foto



Warum Borobudur mehr ist als nur Steine 

Hier spürt man, wie Religion, Kunst und Mathematik verschmelzen: 

  • Jede Zahl hat Bedeutung (9 Terrassen = 9 Stufen zum Himmel). 
  • Jedes Relief ist ein Kapitel aus Buddhas Lehre - wer alle "liest", durchläuft symbolisch den Weg zur Weisheit. 

PS: Wer jetzt denkt "Das klingt esoterisch" - keine Sorge. Selbst Skeptiker bleiben staunend stehen, wenn sie realisieren, dass hier über 2 Millionen Steinblöcke ohne Mörtel verbaut wurden. Ohne. Mörtel ... da hält selbst moderne Architektur den Atem an



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2011.09 - Prambanan: Wo Steine von Göttern erzählen


Nach dem buddhistischen Borobudur erwartete uns sein hinduistisches Gegenstück: Der Prambanan-Tempelkomplex, ein steinernes Epos zu Ehren der Götter Shiva, Brahma und Vishnu. Wo Borobudur meditativ in die Breite strahlt, reckt sich Prambanan mit seinen spitz zulaufenden Candi-Türmen gen Himmel - als wollte er den Wolken mythologische Geheimnisse zuflüstern. 


Ein Tempel, viele Geschichten

  • Die Hauptattraktion: Die drei 47 Meter hohen Prangtürme - einer für jeden Gott. Der Shiva-Tempel stiehlt mit seinem Reliefschmuck allen die Show: Hier tanzt der Zerstörer-und-Neuschöpfer-Gott auf einem Lotus, umgeben von Dämonen, Göttern und einer Detailfülle, die selbst moderne Comic-Zeichner blass aussehen ließe. 
  • Verlorene Pracht: Ursprünglich standen hier über 200 Tempel - bis Erdbeben und politische Wirren im 16. Jh. daraus ein steinernes Puzzle machten. Heute sind viele Ruinen noch immer archäologische Baustellen, was dem Ort etwas Mystisches verleiht: "Stell dir vor, was hier einst war…"
  • Das Ramayana-Ballett: Abends wird der Vorplatz zur Open-Air-Bühne für das berühmte Schattenspiel - ein Muss für alle, die Götterdramen mit Vulkan-Silhouette genießen wollen. 

Die Rückfahrt nach Bali: 14 Stunden Bus-"Charme" 

Von Yogyakarta ging’s im öffentlichen Bus zurück nach Bali - eine Strecke, die normalerweise Abenteuer verspricht, für uns aber zur unfreiwilligen Schlafkur wurde. Dank Sitzklimaanlage und gleichmäßigem Ruckeln pennten wir fast durchgehend. Fazit: Die beste Art, 900 km zu überstehen, ist Augen zu und durch


Zurück in Lovina: Allein auf weiter Flur 

Unser Schiff "NatHape" erwartete uns einsam, aber unversehrt vor Anker - alle anderen Segler waren bereits weitergezogen. Kein Wunder: Auch unsere Zeit in Bali neigt sich dem Ende zu. Die nächste Etappe lockt: Kumai in Borneo, wo Orang-Utans statt Tempel auf uns warten. 



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2011.09 - Expedition zu den Orang-Utans: Borneos Dschungel-Theater


Anreise: Abenteuer auf dem Kumai-Fluss

Mit den ersten Morgenstrahlen verließen wir Bali - drei Tage später erreichten wir Kumai, das Tor zu Borneos wildem Süden. Die Überfahrt begann vielversprechend: Bei kräftigem Wind schien das Ziel zum Greifen nah. Doch wie so oft hatte das Meer andere Pläne. Am zweiten Tag legte sich der Wind schläfrig hin, und aus der geplanten zwei-Tages-Etappe wurden gemütliche drei Tage Seelenwaage


Die Ankunft im Kumai-Fluss war dann ein Nervenkitzel der besonderen Art: Bei Niedrigwasser blieben uns oft nur zwei Meter unter dem Kiel - gerade genug, um uns daran zu erinnern, dass Seekarten manchmal optimistisch sind. Als ob das nicht genug wäre, kreuzte ein Tanker unseren Weg. Unser AIS offenbarte: Er nahm eine andere Route. "Ah, also doch ein Geheimkanal!", dachten wir - und hielten uns brav an die ausgetrampelte Schifffahrtsrinne. 


Der Fluss: Grüne Magie und schwüle Luft 

Der Kumai-Fluss ist eine natürliche Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis: 

  • Links: Die beschauliche Stadt Kumai mit ihren schwimmenden Märkten. 
  • Rechts: Der undurchdringliche Tanjung-Puting-Nationalpark, wo die Orang-Utans regieren. 

Die Luft hing schwer und süßlich - Vorgeschmack auf den Regenwald, obwohl die Regenzeit noch einen Monat auf sich warten ließ. 





An Bord des Klotok: Dschungel-Luxus pur


Für zwei Tage tauschten wir unsere "NatHape" gegen ein traditionelles Klotok-Boot - ein schwimmendes Zuhause mit: 

  • Kapitän (steuert gelassen durch die Mangroven) 
  • Köchin (zaubert köstliche Nasi-Goreng-Variationen) 
  • Lehrling (klettert wie ein Gibbon die Masten hoch) 
  • Guide Ayasat (kennt jedes Blatt und jedes Tier beim Namen) 

Das Boot tuckerte gemächlich den Seikonyer-Fluss hinauf, während wir von der "Schiffs-Terrasse" aus das Schauspiel des Dschungels genossen: 

  • Orang-Utans turnten durch die Bäume, ihre langen Rüssel wie lustige Anhängsel. 
  • Kleine Krokodile glitten lautlos als dunkle Schatten durchs Wasser. 
  • Gibbons begrüßten uns mit ohrenbetäubendem Gesang. 
  • Nashornvögel flogen wie urzeitliche Vögel über uns hinweg. 

Nacht im Dschungel: Konzert der Feuerfliegen 

Zurück auf dem Klotok erwartete uns ein üppiges Abendmahl (die Köchin hätte in jedem Sterne-Restaurant Karriere gemacht). Dann ging’s ein paar hundert Meter flussabwärts, wo wir mit einem Autoreifen als Anker im Schilf festmachten. 


  • Unser Schlafzimmer: Zwei Matratzen unter Moskitonetzen - Luxus pur. 
  • Soundtrack: Das Symphonieorchester des Regenwaldes (Zikaden, Frösche, raschelnde Blätter). 
  • Lichtshow: Tausende Glühwürmchen verwandelten Palmen in funkelnde Weihnachtsbäume. 



Die Orang-Utans: Begegnung der besonderen Art


Camp Leakey: Das große Fressen 

Am Nachmittag erreichten wir Camp Leakey, die berühmte Forschungsstation. Ein 30-minütiger Marsch durch den Regenwald führte uns zur Fütterungsplattform. Plötzlich - Rascheln in den Wipfeln. 

 

Erst kamen die Weibchen:

  • Elegant schwang sich eine Mutter mit ihrem Baby heran. Das Kleine klammert sich an ihr Fell, als wäre es der gemütlichste Sitz der Welt. 
  • Mit neugierigen Blicken musterten sie uns, während sie sich Bananen schnappten - "Ihr fotografiert, wir essen. Fair Deal." 

Dann der King:

Ein Donnergrollen in den Bäumen - und plötzlich biegen sich die Stämme unter seiner Wucht. Der alpha-männliche Orang-Utan betrat die Bühne wie ein Schwergewichtboxer: 

  • Zuerst ignorierte er uns demonstrativ ("Ich bin beschäftigt, Bananen first."
  • Dann drehte er sich um und posierte wie ein Supermodel - "Okay, jetzt könnt ihr knipsen."
  • Zur Finale demonstrierte er seine Kraft: Ein Baumstamm wurde mit einer Hand weggeschleudert. Drei Ranger brauchten Minuten, um ihn zurückzurollen. Message received: "Ich bin der Boss hier." 

Tag 2: Mehr Affen, mehr Magie 

Am nächsten Tag besuchten wir zwei weitere Stationen: 

  • Pondok Tanggui: Hier trafen wir auf halbwilde Orang-Utans, die langsam in die Freiheit entlassen werden. 
  • Tanjung Harapan: Ein Nashornvogel-Paar führte uns ihren Balztanz vor. 

Fazit: Warum dieser Trip unbezahlbar war 

  • Die Orang-Utans: Ihre menschlichen Blicke und ihr sanftes Wesen bleiben unvergesslich. 
  • Das Klotok-Leben: Ein Hausboot-Abenteuer, wie es kein Luxusresort bieten kann. 
  • Die Geräusche: Vom Knacken der Bäume bis zum Singen der Gibbons - der Dschungel hat seine eigene Sprache. 

 

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2011.09 - Kumai: Wo der Dschungel auf Schwalbenspeichel trifft

Morgens um sechs weckt uns nicht der Wecker, sondern das Konzert der Salanganen - diese kleinen Schwalben, deren Nester hier mehr wert sind als unser ganzes Boot. Ihr Gezwitscher vermischt sich mit den Gebetsrufen aus den Moscheen, die irgendwie immer etwas lauter sind als anderswo. "Hallo Mister!" ruft uns ein Fischer zu, während wir mit unserem Dingi zum Ufer tuckern. Der "Mister" gilt hier für alle, auch für Nathalie - wir haben aufgehört, das zu erklären.

Kumai ist einer dieser Orte, den die meisten Segler nur als Sprungbrett zu den Orang-Utans sehen. "Schmutzig und nichts los", sagen sie. Wir finden: Sie verpassen was. Die zwei Hauptstraßen sind voller Leben - Motorräder, die um Ecken driften, Kinder, die uns neugierig hinterherlaufen, und über allem dieser süßliche Geruch von Reisfeldern und Fisch. An jeder Ecke steht jemand und lächelt, als wären wir die Attraktion des Tages.

Draußen entdecken wir die grauen Betonklötze mit den vielen Löchern - die Schwalbenhochhäuser. Ein Junge zeigt uns stolz ein Nest in seiner Hand. "Empuk!" Weich. Wir denken an die 3.000 Dollar pro Kilo und können nicht anders als zu fragen: "Enak?" Schmeckt das? Er grinst: "Mahal!" Teuer! Und rennt davon.

Am Flussufer sitzen alte Männer und flicken Netze. Einer winkt uns zu seinem Boot, zeigt auf eine Kiste mit schwarzen, glibberigen Dingern. Seeigel? "Makan!" Nochmal dieses Wort. Wir schütteln lachend den Kopf. Er zuckt mit den Schultern und steckt sich selbst einen in den Mund. Das ist Kumai - alles ist ein Angebot, nichts ein Muss.

Als wir zurück zu unserem Boot tuckern, sehen wir die ersten Schwalben zu ihren Betonpalästen zurückkehren. Die untergehende Sonne taucht alles in goldenes Licht - sogar den Müll am Ufer. Irgendwie passt das. Kumai macht keinen Hehl aus seinen Widersprüchen: Hier wird der Regenwald abgeholzt, aber jeder teilt sein letztes Reiskorn. Die Leute sammeln Vogelspeichel für chinesische Millionäre, aber schenken Fremden ihr Lächeln umsonst.

Wir liegen nachts in unserer Koje und lauschen den Geräuschen der Stadt, die über das Wasser zu uns dringen. Ein Motorrad knattert, irgendwo lacht jemand, eine Katze streitet mit einem Gecko. Nathalie kaut noch an einem der Kue. "Schmeckt irgendwie nach Kokos und... Erde?" Ich denke an Oma Siti, die jetzt wohl ihre Koffer packt für die große Reise. An den Jungen, der mit dem Vogelnest davonrannte. An den Fischer, der uns Seeigel anbot. "Eigentlich", sage ich, "schmeckt es nach Kumai."

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Kumai: Wo Schwalben Hochhäuser bewohnen und Fremde Glück bringen


Das "weiße Gold" von Kalimantan


Kumai lebt von einem kuriosen Schatz: den Nestern der Salanganen-Schwalben, die hier in speziellen Betonburgen ohne Fenster (siehe die beiden Fotos) gezüchtet werden. Diese unscheinbaren grauen Gebäude mit ihren hunderten Einfluglöchern sind die Banktresore der Region - denn ein Kilo der Nester bringt auf dem chinesischen Markt bis zu 3.000 Dollar.


Warum so teuer?

  • Die Nester bestehen fast nur aus getrocknetem Vogelspeichel, der in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Jungbrunnen und Potenzmittel gilt.
  • Früher sammelten Kletterer sie unter Lebensgefahr in Höhlen - heute brüten die Vögel in städtischen "Nestfabriken".
  • Der Handel finanziert Schulen, Moscheen und die Pilgerreisen nach Mekka.

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Kumai: Abschiedsfeier für Oma Siti - Als Fremde plötzlich willkommen waren


Plötzlich werden wir von einer Frau in bunten Sarong an einen Plastiktisch gezogen. "Makan! Makan!" Es riecht so gut, dass wir einfach Ja sagen. Erst als wir mit vollen Tellern in einem Raum voller fremder Menschen sitzen, dämmert uns: Das ist kein Restaurant, sondern eine private Feier. Verlegenes Kichern auf beiden Seiten. Zum Glück haben wir Ayu in Bali in der Kontaktliste - sie übersetzt am Telefon. "Ihr seid bei einer Abschiedsfeier für Oma Siti gelandet", lacht sie. "Sie geht nach Mekka und ihr seid das Glücksbringer-Fremde!"


Die nächsten Stunden sind magisch. Wir essen mit den Händen (was alle lustig finden), probieren seltsame süße Getränke und werden in jedes Foto gezerrt. Beim Gehen steckt uns jemand ein Päckchen mit selbstgemachten "Kue" (Kuchen) zu. "Untuk jalan!", für unterwegs.


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2011.10 - Belitung: Wo Minister Selfies machen und wir die Hauptattraktion sind


Regierungs-Glamour mit Überraschungsauftritt 

Belitung stand Kopf: Der Vizepräsident und halbe Ministerrat aus Jakarta waren angereist - nicht im gepanzerten Konvoi, sondern fast schon zürcherisch unauffällig. Der Anlass? Ein jährliches Mega-Event, diesmal kombiniert mit "Sail Indonesia", was bedeutete: Viel Tamtam, noch mehr Uniformen - und wir, die einzigen Ausländer in Sichtweite, wurden prompt als lebende Kulisse rekrutiert. 


Das "Interview"

Minister für Maritime Angelegenheiten (der aussah, als käme er direkt von einer Yacht-Party) fragte uns belanglose Dinge wie: "Gefällt’s euch in Indonesien?"

Unsere Antworten ("Ja, toll hier!") wurden mit staatsmännischem Nicken quittiert. 

Volksnähe deluxe: Keine Bodyguards, kein Protokoll - nur ein Händedruck und das Gefühl, zufällig in eine PR-Übung geraten zu sein. 

Die Pointe: Unser Ruhm war so flüchtig wie eine Belitung-Brise. Das Beweisfoto entdeckten wir Tage später in der kostenlosen "Pos Belitung" - wir, etwas verblüfft grinsend, neben einem Minister, der aussah, als hätte er gerade sein tägliches Quoten-Selfie erfüllt. 


Die wahren Stars: Wir als wandelnde Foto-Attraktion 

  • In Belitung waren wir exotischer als die seltensten Vögel - und jeder wollte ein Stück davon: 
  • Militärs in Uniform legten plötzlich die Dienstwaffe weg und zückten das Smartphone. "Foto, Mister?" 
  • Beamte posierten mit uns, als wären wir diplomatische Trophäen
  • Selfie-Statistik: 10x pro Spaziergang - immer auf deren Handys, nie auf unserem. Hintergedanke: "Das zeig’ ich später meiner WhatsApp-Gruppe!" 

Warum das charmant war: 

In Europa würde man misstrauisch werden. Hier war es einfach nur pure, unverfälschte Neugier - so, als hätte man ein paar Pinguine im Stadtpark entdeckt. 


Belitungs Kuriositäten-Checkliste

  • Minister-Selfies (inkl. Gratis-Zeitungsabdruck) 
  • Militär-Posen (Waffe lässig über die Schulter, wir daneben wie Touristen im falschen Film) 
  • Volksnähe (Schweizer Bundesräte auf Fahrrädern waren dagegen distanziert) 

Fazit: 

Belitung bewies: In Indonesien kann man zufällig zum Statisten der Politik werden - und gleichzeitig zum meistfotografierten Souvenir einer ganzen Insel. Hauptsache lächeln! 


PS: Falls Sie jemals nach Belitung reisen - packen Sie ein extra Handy-Akku. Für all die Fotos, die Sie nie zu sehen bekommen..



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Tanjung Kelayang: Wo die Riesen mit Steinen spielten 


Man könnte meinen, ein Riese habe hier sein Spielzeug liegen lassen - monumentale Granitblöcke, die wie von Kinderhand übereinandergeworfen wirken. Mal türmen sie sich zu skurrilen Türmen auf, mal balancieren sie in unmöglichen Winkeln, als hätte die Natur selbst einen anarchischen Sinn für Design. 


Was diesen Strand magisch macht:

  • Die Steine: Glatt geschliffen von Jahrtausenden der Gezeiten, manche so groß wie Häuser, andere perfekt zum Draufklettern. Ihre Herkunft? Ein Geheimnis. Vielleicht vulkanische Launen, vielleicht versunkene Felsriesen - wir stehen da wie Archäologen vor einem Rätsel ohne Lösung. 
  • Das Wasser: Türkis und so klar, dass man zwischen den Steinmonstern Schatten wie von prähistorischen Seeschlangen erwartet. Stattdessen: bunte Fische, die um die Felsen zucken. 
  • Die Stille: Kein Massentourismus, nur ein paar Fischerboote, die wie zufällig ins Bild tuckern. 

Lokaler Aberglaube:

Ein Fischer erzählt uns, die Steine seien versteinerte Drachen - bestraft für ihre Frechheit. Wir fragen uns: Wer hat hier eigentlich wen bestraft? Die Natur die Drachen - oder die Steine uns, weil wir sie nicht erklären können? 



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Tanjung Kelayang: Wenn die Fischerboote leuchten wie fliegende Laternen


Nachts auf dem Wasser: Das Lichterballett der Auslegerboote

In Indonesien fischt man nicht einfach - man inszeniert ein Schauspiel. Nachts verwandeln sich die traditionellen Auslegerboote ("jukung" oder "perahu") in schwebende Lampions. Mit starken Lampen locken sie Fische an - ein Trick, der das Meer zum glitzernden Buffet macht. 


Bei unseren Nachtfahrten sahen wir Dutzende dieser illuminierten Boote, die wie geisterhafte Flöße in der Dunkelheit schwebten. Doch hier in Tanjung Kelayang erlebten wir sie in voller Pracht: 

 

Die große Parade - Fischer meets Politik 

Am Morgen versammelten sich hunderte bunt bemalter Boote in der Bucht - nicht zum Fischen, sondern zur Ehrenrunde vor dem Vizepräsidenten. Das Spektakel hatte etwas Surreales

  • Die Boote: Jedes ein Kunstwerk - knallrote, blaue und gelbe Rümpfe, die ausgefallene Balanceakte mit ihren Bambus-Auslegern vollführten. 
  • Die Fischer: Stolz wie Admirale, winkend in ihren karierten Sarongs, als würden sie nicht nur Fische, sondern auch Beifang in Form von Applaus einfangen. 
  • Die VIPs: Der Vizepräsident und sein Tross auf einer schwimmenden Tribüne - während die eiglichen Stars eindeutig die Boote waren. 

Warum diese Bilder unvergesslich sind: 

  • Das Farbenspiel: Türkiswasser, knallbunte Boote, dazu der Morgenhimmel in Pastell - als hätte ein Kind mit dem Farbkasten alles Übertrieben schön gemalt. 
  • Der Kontrast: Nachts einsame Lichtpunkte, jetzt ein karnevaleskes Gedränge
  • Die Geräusche: Lachen, Motorenknattern, irgendwo eine kaputte Trommel, die trotzdem beatvoll bleibt. 

Fischer-Fakten mit Charme

  • Die Lampen: Meist Kerosinlaternen oder moderne LED - je heller, desto besser der Fang. 
  • Die Strategie: Fische denken, das Licht sei der Mondreflex auf Plankton - und schwimmen direkt ins Netz. Tja, wer nicht an Evolution glaubt..
  • Das Risiko: Manchmal kentern die Boote, weil die Crew zu gierig über die Ausleger hängt

Unser heimliches Highlight 

Eines der Boote hatte ein quietschgrünes Dach und einen Kapitän, der aussah wie ein pensionierter Punkrock-Sänger. Er winkte uns zu - und plötzlich standen wir selbst im Fokus der Parade. "Foto, Mister!" 


Das Ergebnis? Ein Schnappschuss, auf dem wir halb lachend,halb blinzelnd zwischen Fischergrößen posieren - während im Hintergrund der Vizepräsident seelenruhig seinen Tee trinkt


Fazit: 

Tanjung Kelayang ist nicht nur ein Stein-Paradies, sondern auch eine Bühne für Indonesiens maritime Seele - wo Politik und Fischerboote gemeinsam die beste Show des Jahres abliefern. 

 

PS: Wer jetzt denkt "Das gibt’s doch nur in Indonesien!", hat recht. Und wer es nicht glaubt: Einmal mit den Fischern nachts rausfahren - dann weiß man, warum hier selbst die Fische freiwillig ins Netz gehen. 🌟 



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Die Werft von Belitung: Wo Fischerboote günstiger sind als Schweizer Gartenmöbel 


Ein Blick hinter die Kulissen des Bootsbaus 

Auf dem Weg nach Tanjung Pandan entdeckten wir eine improvisierte Werft - kein High-Tech-Hangar, sondern ein Strandatelier mit Sägespänen und Kreativität. Hier entstanden 4-5 Auslegerboote gleichzeitig, gebaut nach einem Design, das sich seit Jahrhunderten bewährt hat. 


Die Zahlen, die schmunzeln lassen: 

  • Preis pro Boot: Rund 8.000 US-Dollar - etwa so viel wie in der Schweiz ein lackiertes Ruderboot ohne Sitzbank kostet. 
  • Arbeitszeit: 2-3 Monate - ganz ohne CAD-Programm, nur mit Axt, Schleifpapier und Bauchgefühl
  • Material: Ulin-Holz (Borneo-Eisenholz) für die Rümpfe, Bambus für die Ausleger - alles lokal und windfest. 

Was uns verblüffte: 

  • Keine Baupläne: Die Handwerker arbeiteten aus dem Gedächtnis - jeder Hackenschlag ein Kapitel überlieferten Wissens. 
  • Die Farbenpracht: Noch lag das Holz roh da, aber wir wussten: Bald würden diese Boote knallrot, blau oder giftgrün über das Wasser flitzen - wie Gummienten für Erwachsene
  • Der Lack-Trick: Ein alter Mann strich mit einem Lappen Farbe auf den Rumpf - "Lackierpistole? Braucht kein Mensch!" 

Warum diese Boote mehr können als nur schwimmen 

  • Nachtfischerei: Mit ihren Lampen locken sie Tintenfische und Makrelen an. 
  • Paraden: Wie wir erlebten, dienen sie auch als schwimmende Flaggen für Staatsbesuche. 
  • Überlebenskünstler: Einmal gekentert? Kein Problem - die Ausleger machen sie fast unsinkbar. 

Das grosse Rätsel 

Wie kann ein 8.000-Dollar-Boot (inklusive Handarbeit und Sarong-tauglichem Charme) billiger sein als ein Zürich-See-Ruderboot, das nur zum Apero-Schippern taugt? 

 

Antwort:

  • In Indonesien zahlt man für Funktion, nicht für Yacht-Club-Prestige
  • Hier ist ein Boot kein Luxus, sondern Familien-Versicherung - je bunter, desto besser der Fang. 

Fazit: 

Diese Werft war keine Fabrik, sondern eine Werkstatt der Träume. Wo jeder Nagel sitzt, weil er muss - und nicht, weil eine EU-Norm es vorschreibt. 


PS: Wer jetzt sein Schweizer Ruderboot verkaufen will, um in Belitung ein Fischer-Imperium zu gründen - wir wissen eine gute Werft. 😉 



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2011.10 - Fazit unserer Indonesienreise: Drei Monate zwischen Drachen, Dschungel und Bürokratie 


Was uns begeistert hat: 

  • Die Menschen: Immer ein Lächeln, ein "Hallo, Mister!", eine spontane Einladung zum Essen. Selbst in abgelegenen Dörfern fühlten wir uns willkommen. 
  • Die Natur: Von den Komodo-Drachen auf Rinca über die Orang-Utans in Borneo bis zu Belitungs steinernen Traumstränden - Indonesien ist ein lebendiges Naturkundebuch. 
  • Die Vielfalt: Buddhistische Tempel neben Moscheen, Reisterrassen neben Vulkanen, Fischerdörfer neben Megacitys. Und überall: Essen, das nach Abenteuer schmeckt
  • Die Preise: Wo sonst bekommt man frischen Fisch, ein Bier und ein Lächeln für weniger als zehn Franken? 
  • Java: Der Sonnenaufgang am Bromo und die steinernen Wunder von Borobudur & Prambanan
  • Borneo: Dschungelnächte auf dem Klotok, begleitet von feuerfliegengeschmückten Palmen
  • Belitung: Wo Fischerboot-Paraden und Minister-Selfies zum Alltag gehören. 
  • Unsere Highlights:  Bali: Endlose Scooter-Touren durch Reisfelder und Tempel. 

Was wir gelernt haben: 

  • Ein paar Worte Bahasa Indonesia öffnen Türen - und Herzen. (Danke, Nathalies Wörterbuch!) 
  • Ohne sailindonesia.net wären wir im Papierkrieg ertrunken. Die Rally war zwar nicht ganz unser Ding - aber die unkomplizierten Behörden-Zelte am Strand haben uns gerettet. 
  • Echte Begegnungen passieren abseits von Gruppen-Touren. Unser Geheimtipp: Einfach "Ja" sagen, wenn Einheimische einen irgendwohin einladen. 

Was wir noch sehen wollen: 

  • Sumatra mit seinen Orang-Utans und dem Tobasee. 
  • Westpapua - das "andere Indonesien" mit Regenwäldern und Korallenriffen. 
  • Die Molukken, wo Gewürze noch Geschichte atmen. 

Und jetzt?

Erstmal Malaysia, dann Thailand. Aber Indonesien bleibt im Herzen - und auf der Liste für "Irgendwann-mal-wieder" 


PS: An alle, die mit dem Segelboot kommen wollen: Nehmt Geduld mit. Und viel Papier. Aber es lohnt sich. 🌏 


Abschlussfest in Belitung: Geburtstag, Jubiläum und ein bisschen Wehmut 

Der Sand knirscht noch zwischen unseren Zehen, als wir das letzte indonesische Fest feiern - Nathalies Geburtstag, unseren 23. Hochzeitstag und den Abschied von diesem verrückten Archipel, der uns mit feuerspeienden Bergen, Orang-Utans und ministeriellen Selfies verzaubert hat. Irgendwo an diesem Strand, dessen Namen wir uns nicht merken konnten, aber dessen Krabben in Sambal wir nie vergessen werden, sitzen wir in einem windschiefen Bambus-Restaurant. Der Kellner - höflich wie nur Indonesier sein können - bringt überraschend eine Torte. Nicht irgendeine Torte: Eine Bananen-Zuckerguss-Kreation, auf der standhaft eine Plastikkerze gegen die Meeresbrise kämpft. "Special for Madam!", flüstert er ehrfürchtig, als hätten wir gerade den Eiffelturm bestellt. 

Unter dem Tisch lungern zwei streunende Hunde, deren Blickstrategie eindeutig auf "Mitleid erheischend" getrimmt ist. Sie bekommen die Fischköpfe, wir den Rest
😂. Und während die Sonne sich verabschiedet, taucht der Mond auf - pünktlich wie ein Schweizer Zug, aber viel romantischer. 

23 Jahre Ehe. 8 davon auf NatHape, was statistisch gesehen entweder ein Wunder ist oder beweist, dass Flucht auf hoher See sinnlos wäre
🤭. Nathalie bekommt eine holzgeschnitzte Schildkröte vom Markt ("Für die nächsten 23 Jahre Geduld"), ich ein "I ❤ you"-Shirt in Größe XXL. Die eigentlichen Geschenke aber sind die Erinnerungen: An den Orang-Utan, der uns als Fotomodell gedient hat, an die Fischerboote, die nachts wie Geisterschiffe leuchteten, an den Minister, der uns für sein Fotoalbum vereinnahmte

Die Hunde schnarchen jetzt, die Kerze ist erloschen, und irgendwo im Dunkeln rollt eine Welle an den Strand - nicht als Abschied, sondern als Versprechen: Das Meer bleibt. Wir kommen wieder. 

PS: An alle, die jetzt fragen, wie man 23 Jahre Ehe überlebt: Nehmt sie (Eure Frau) mit nach Indonesien. Wenn ihr euch nach Monaten - oder Jahren - von 24/7-Zusammensein, dem fünften Minister-Selfie und dem zehnten "Hallo Mister!" noch in die Augen schauen könnt, haltet ihr für immer durch 🤣🌴😂