2013.13 - Philippinen 3
 
 

2013.09 - Bonbonon/Tambobo: Wenn der Meeresboden Schokolade spielt


Ungewollte Ankermanöver

 

Gutes Ankergeschirr ist keine Frage des Luxus, sondern der Vernunft - und trotzdem: Selbst der beste Anker hat seine Grenzen. In der Tambobo-Bucht, einer geschützten "Typhoon-Hole" im Süden Negros', lernten wir das auf die harte Tour. Zweimal riss unser Anker unerwartet los - ausgerechnet immer dann, wenn wir nicht an Bord waren. Zum Glück blieb es bei einem Adrenalinkick: Das Schiff trieb unkontrolliert, ohne Schaden zu nehmen. 


Dabei schien die Bucht perfekt: Bei den fast täglichen Unwettern mit 40-45 Knoten Wind bildeten sich dank der kurzen Distanz zum Land keine hohen Wellen. Alles stabil, dachten wir - bis wir eines Nachmittags von Siaton zurückkehrten und unser Boot 200 Meter versetzt vorfanden. Der Anker hatte sich zwar wieder eingegraben, aber das Vertrauen war dahin. 



Der Kampf mit dem "Schokoladenboden"


Wir gaben alles: 8 Meter Wassertiefe, 60 Meter Kette, volle Motorkraft im Rückwärtsgang, um den Anker tief in den Grund zu rammen. Ergebnis? Beim nächsten Landausflug nach Dumaguete dasselbe Spiel - das Schiff hatte erneut "gedriftet". Erst jetzt verrieten uns Einheimische das Geheimnis des Bodens: Melted Chocolate, eine weiche, instabile Masse aus Sedimenten, die zwei Bäche in die Bucht spülen. Paul, ein erfahrener Segler, verglich ihn mit nasser Asche: Unter Druck verhält sich der Grund stabil, sobald die Zugkraft nachlässt, verflüssigt er sich wieder. 


 

Boje statt Anker - die Lösung?


Eigentlich bevorzugen wir unseren Anker - schließlich kennt man seine eigene Ausrüstung am besten. Doch nach diesen Erlebnissen wechselten wir zur Boje. Nicht ohne Skepsis: In Ao Chalong (Thailand) hatten wir genug Schiffe gesehen, deren Bojen an Nähmaschinenmotoren oder anderen fragwürdigen Konstruktionen hingen. Doch hier in Tambobo hängen einige Yachten seit Jahrzehnten sicher an ihren Bojen - ein Hinweis, den wir gerne früher gehabt hätten! 



Fazit:


  • Tambobo-Bucht: Ideal als Typhoon-Schutz, aber katastrophal zum Ankern
  • Lokales Wissen nutzen: Die "Schokoladenboden"-Theorie erklärt alles - und spart Nerven. 
  • Boje statt Anker: Manchmal ist Anpassung klüger als Sturheit. 

Und wer weiß? Vielleicht war die ganze Episode nur eine Lektion in philippinischer Gelassenheit - schließlich blieb ja alles gut. Hauptsache, das nächste Mal wissen wir: Hier ankert man nicht. Punkt.



Bonbonon im Süden von Negros-Oriental.




2013.10 - Auf nach Bohol: Eine kleine Navigationslehre


Unser Trip von Dumaguete (Negros) zur geheimnisvollen Insel Siquijor verlief zunächst wie aus dem Reiseführer: malerisch, aber herausfordernd. Nach stundenlanger Suche fanden wir zwischen den Riffen gerade genug Platz, um für die Nacht zu ankern - leider ohne Zeit für einen Landgang. Dafür bescherte uns die Küste eine freundliche Überraschung: Jo und Athena, ein lokales Paar, das uns vom Ufer aus beobachtete und spontan eine Einladung per E-Mail schickte. (So viel zu der Legende, Siquijor sei nur für Hexerei bekannt - hier wirkt eindeutig auch ganz normaler Charme!) 


Am nächsten Morgen erreichten wir Tagbilaran, die Hauptstadt von Bohol, begleitet von einem typisch tropischen Regenguss. Die Hafeneinfahrt erwies sich als knifflig: Riffe, unklare Markierungen und eine grüne Boje, die uns zunächst in die Irre führte. Normalerweise umfahren wir solche Hindernisse links - doch plötzlich tauchte das Riff gefährlich nah auf. Erst im Nachhinein kam uns die Erleuchtung: Die USA waren lange auf den Philippinen stationiert - und hier gilt wie in Amerika die "Region B"-Betonnung! 


Kurz erklärt:

 

  • Region A (Europa, Australien, etc.): Grün = Steuerbord (rechts) beim Einlaufen. 
  • Region B (USA, Philippinen, etc.): Grün = Backbord (links). 

Unser unfreiwilliger 360°-Kreisel in der Hafeneinfahrt war also kein Segelkunststück, sondern eine kleine Lehrstunde in internationaler Navigation. Immerhin: Jetzt wissen wir’s - und die nächste grüne Boje wird uns nicht mehr überraschen. (Oder doch? Die Philippinen lieben nun mal Überraschungen.) 



Hafeneinfahrt in Tagbilaran ...




2013.10 - Bohol: Ein spontaner Inlandsausflug

Am nächsten Morgen schaukelten wir mit dem Beiboot zur beschaulichen Marina von Tagbilaran - und wurden prompt von einem freundlichen Driver umgarnt, der uns einen Tagesausflug schmackhaft machen wollte. Da das Wetter ohnehin wechselhaft blieb, willigten wir ein. Und siehe da: Was als typische Dies & Das-Tour begann - mit Albert als unserem charmant oberflächlichen Guide - entpuppte sich als überraschend lohnenswert. Wie so oft auf den Philippinen bewies auch hier wieder: Manchmal sind die ungeplanten Abwege die schönsten

Unser Fahrer, wie übrigens fast alle Filipinos, die uns begegneten, war unschlagbar zuvorkommend. Er chauffierte uns im Eiltempo durch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Südwesten Bohols - und selbst im Schnelldurchlauf war die Landschaft atemberaubend. 


Die Chocolate Hills: Bohols süßes Wahrzeichen

Für uns Schweizer ist Schokolade ein Nationalheiligtum. Für die Boholanos hingegen sind es die Chocolate Hills - und sie haben allen Grund, stolz darauf zu sein. Rund 1.200 nahezu perfekte, grasbewachsene Halbkugeln erstrecken sich hier über die Landschaft, alle von ähnlicher Größe und Form. In der Trockenzeit verwandelt sich das satte Grün in ein warmes Braun, wodurch die Hügel tatsächlich wie gigantische Pralinen aussehen. 

Ob Naturphänomen oder Werk verspielter Riesen - diese einzigartige Landschaft bleibt unvergesslich. Und wer weiß? Vielleicht steckt ja doch ein bisschen Magie dahinter ... oder zumindest eine Prise Humor der Natur. 

Baclayon Church mit "Watch-Tower". Dieser wurde von den Spaniern gebaut, um eine feindliche Invasion der Moslems von Mindanao auszumachen.
Heilige und Scheinheilige in der "Baclayon Church" ...
"God is Love" ... jedes Tricycle ist mit einem religiösen Spruch verziert.
Chocolate-Hills im Zentrum von Bohol, Es gibt auf der ganzen Welt keine zweite Naturformation wie diese ...
The unique land form known as the Chocolate Hills of Bohol was formed ages ago by the uplift of coral deposits and the action of rain water and erosion.
Es gibt grosse Schmetterlinge in Bohol. Die Lebensdauer eines solchen Schmetterlings dauert nur 21 Tage ...
Tasire, die kleinsten Affen der Welt, 10 bis 15 cm gross. Die Tiere sind so scheu, das sie schwierig zu fotografieren sind.
Eines der langsameren Fahrzeuge in den Philippinen. Aber es geht trotz fehlender Räder vorwärts ...
Reisfeld ...
Reis, das Hauptnahrungsmittel der Asiaten. Auf dem Bild ein Reisfeld mit den "Chocolate Hills" im Hintergrund.



2014.10 - Das Wetter auf den Philippinen - Tropenklima mit Temperament

Wer auf den Philippinen reist, sollte sich auf ein Wetter voller Überraschungen einstellen - hier herrscht kein "Vorhersehbar", sondern "Abenteuer inklusive". Rund 20 Taifune ziehen jährlich über das Archipel, mit einer Vorliebe für die Monate Juli bis Dezember. Wie ungebetene Gäste drängen sie sich zunächst im Norden, bevor sie zum Jahresende hin gen Süden weiterziehen.

Die gute Nachricht: Südlich der Linie Palawan-Negros wird die Taifun-Wahrscheinlichkeit deutlich geringer. Dennoch bleibt das tropische Klima unberechenbar - nach strahlendem Sonnenschein kann plötzlich ein kräftiger Schauer folgen.

Die Lösung? Gelassen bleiben und sich wie die Locals auf alles einstellen: Leichte, schnell trocknende Kleidung, ein faltbarer Regenschirm und die entspannte Einstellung "Bahala na" ("Was kommt, das kommt") machen jeden Wetterumschwung zum Teil des Erlebnisses. Schließlich wäre eine Philippinen-Reise ohne den Duft von frischem Regen auf warmem Asphalt doch nur halb so schön, oder?